Baubiologie

Die Zeit der großen Schadstoffskandale (PCB, PCP, Lindan und weitere Holzschutzmittel, Asbest, Toluol etc.) ist zwar vorbei, aber die Schadstoffe in unserer bebauten Umwelt sind nicht weniger geworden. Nur feinstofflicher, versteckter und vielleicht geringer dosiert. Unter anderem haben wir es heute zu tun mit:

  • Biozide, Fungizide, Flammschutzmittel (schwerflüchtig)

  • Holz- und Teppichschutzmittel (PCP, Lindan, Dichofluanid, Schwermetalle, Permethrin)

  • Isothiazolinone (Topfkonservierer)

  • Harnstoff- oder Melamin-Formaldehyd-Harz-Verklebungen (Spanplatten), PAK-haltige Kleber, Essigsäure (OSB-Platten)

  • Polyurethan basierte Produkte, PVC

  • Styrole

  • Isocyanathe

  • Porenbildner in Putzen, synthetische Tenside und andere Zusätze in Putzen

  • Leicht- und schwerflüchtige Kohlenwasserstoffe (Lösemittel, Glycole)

  • Lungengängige Fasern (Asbest, künstliche Mineralfasern KMF)

  • Radon

Es gibt aber immer noch keine Grenzwerte für unsere Wohngebäude, lediglich für Arbeitsplätze gibt es bei einzelnen Stoffen solche. Ansonsten existieren Richtwerte von verschiedenen Institutionen deutschland-, europa- und weltweit. Das Bewusstsein und die Sensibilisierung über Schadstoffe in Baumaterialien sind in der Bevölkerung gestiegen, was wenigstens einen gewissen Druck auf Hersteller, Lieferanten und Händler ausüben kann. Gleichzeitig auch das Allergiepotential und auftretende gesundheitliche Symptome, die auf Schadstoffe zurückzuführen sind. Der mangelnde Zugang zu unabhängiger und fachlicher Information ohne kommerzielle Interessen dahinter, zwielichtige Produktlabels und Zertifikate sowie greenwashing in der Bauindustrie sorgen eher für Desinformation und oft zu Ratlosigkeit, gerade wenn es um die Wahl tatsächlich nachhaltiger Baustoffe geht.

 

Hier sehe ich alle praktizierenden Baubiolog:innen in der Pflicht. Angesichts der Dringlichkeit, mit viel mehr Tempo nachhaltig zu bauen und sanieren (damit wir überhaupt irgendwelche Klimaziele erreichen), sollten wir mehr aufklären, weiterbilden, den Finger immer wieder auf den wunden Punkt legen, Behörden, Planende und das Handwerk (v.a. die Kammern) ansprechen und informieren.


 

Wir können heute nachhaltig bauen, es ist alles da. Natürlich müssen wir weiter forschen an pflanzlichen, nachwachsenden Rohstoffen für unsere zukünftigen Baustoffe, aber wir können jetzt und sofort nachhaltiges Bauen und Sanieren in der gesamten Bandbreite umsetzen.

 

Abgesehen vom Klimaschutz sind die Eigenschaften von nachhaltigen Baustoffen unübertrefflich – bauphysikalisch, gesundheitlich und soziokulturell.

Natürliche Baustoffe:

  • bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen oder recycelten Produkten 

  • sind ressourcenschonend

  • können in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden

  • sind nicht nur diffusionsoffen, sondern auch kapillaraktiv

  • besitzen höchste Feuchtesorptionskraft

  • haben einen hohen sommerlichen Hitzeschutz (Dämmstoffe)

  • der größte Teil von ihnen ist schadstofffrei

  • sind einfacher zusammengesetzt und langlebig

  • schaffen spürbar gesunde Räume

  • beinhalten in der Summe weniger graue Energie

  • ihr Potential regionaler Verfügbarkeit ist groß

  • sind gesünder bei der Verarbeitung

  • riechen gut

  • schützen ganz nebenbei das Klima

Das Betätigungsfeld innerhalb der Baubiologie besteht natürlich nicht nur aus Baustoffkunde. Es ist sehr breit gefächert - Baubiologie ist ein interdisziplinäres, holistisches Fach, innovativ, neugierig und immer offen für Neues. Ihr oberstes Ziel ist es, ein gesundes, naturnahes, nachhaltiges und schön gestaltetes Wohn- und Arbeitsfeld zu schaffen.

 

Alle Informationen über die Baubiologie, viel detailreicher beschrieben als hier, finden Sie auf www.baubiologie.de dem eigentlichen Gründungsinstitut der Baubiologie, führend in Deutschland mit Ausstrahlung nach ganz Europa und in andere Länder der Welt.